Cyberangriffe auf Unternehmen: Sachsen fehlt ein belastbares Lagebild
Zu den Antworten (Drs. 8/6962 und 8/7312) der Staatsregierung auf seine Kleinen Anfragen zu Cyberangriffen auf Unternehmen erklärt der digitalpolitische Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag Bernd Rudolph:
„Cyberangriffe gehören inzwischen zu den größten Risiken für unsere Wirtschaft. Umso erstaunlicher ist, dass die Staatsregierung zwar zahlreiche Unterstützungsangebote aufzählt, gleichzeitig aber kaum belastbare Erkenntnisse über das tatsächliche Ausmaß der Angriffe in Sachsen vorlegen kann.“
Nach den Antworten der Staatsregierung wird weder statistisch erfasst, wie viele Unternehmen tatsächlich Opfer von Cyberangriffen werden, noch welche Branchen besonders betroffen sind oder welche wirtschaftlichen Schäden und Produktionsausfälle dadurch entstehen.
„Wer wirksame Prävention betreiben will, muss zunächst wissen, wo die größten Risiken liegen. Genau daran fehlt es. Ohne ein belastbares Lagebild bleibt unklar, ob die bestehenden Maßnahmen tatsächlich dort ankommen, wo sie benötigt werden.“
Zwar verweist die Staatsregierung auf das Cyber-Sicherheitsnetzwerk Sachsen, Informationskampagnen und ein monatliches Cyberlagebild. Dieses enthält nach ihrer Auskunft jedoch lediglich Angaben zu einzelnen gemeldeten Vorfällen, Angriffsarten und kurzen Sachverhalten. Eine systematische Auswertung nach Branchen oder Angriffsschwerpunkten findet nicht statt. Selbst eine Trendaussage zur Entwicklung von Cyberangriffen auf Unternehmen in Sachsen hält die Staatsregierung auf Grundlage ihrer Daten nicht für möglich.
„Besonders widersprüchlich ist, dass die Staatsregierung einerseits erklärt, kleine und mittlere Unternehmen seien bevorzugtes Ziel und dort seien Angriffe häufiger erfolgreich, andererseits aber keine Datengrundlage benennen kann, aus der sich diese Entwicklung belastbar ableiten lässt.“
Positiv bewertet Rudolph, dass mit dem Cyber-Sicherheitsnetzwerk Sachsen, der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime sowie den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern inzwischen Unterstützungsstrukturen für Unternehmen aufgebaut wurden.
„Diese Angebote sind sinnvoll. Sie sollten aber regelmäßig darauf überprüft werden, wie viele Unternehmen sie tatsächlich erreichen und welchen Beitrag sie zur Verbesserung der Cybersicherheit leisten. Allein die Verteilung hunderttausender Informationskarten ersetzt keine Erfolgskontrolle.“
Rudolph fordert deshalb, das Lagebild zu Cyberangriffen auf Unternehmen deutlich zu verbessern und die Wirksamkeit der Präventionsmaßnahmen künftig anhand nachvollziehbarer Kennzahlen zu evaluieren.
„Cybersicherheit ist längst ein entscheidender Standortfaktor. Sachsen sollte hier nicht nur handeln, sondern auch wissen, ob die eigenen Maßnahmen wirken.“


