„Ein Zugbegleiter stirbt – und Sachsen weiß nicht einmal, wie groß das Problem ist“
Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter bei Kaiserslautern hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Vor diesem Hintergrund hat der Landtagsabgeordnete Bernd Rudolph, innenpolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag, die Staatsregierung zur Sicherheitslage im sächsischen ÖPNV befragt. Die Antwort ist ernüchternd.
„Wir haben nach einem konkreten Anlass gefragt – nach der Sicherheit von Menschen, die täglich für unseren öffentlichen Nahverkehr arbeiten. Die Antwort der Staatsregierung zeigt: Sie weiß es schlicht nicht“, erklärt Rudolph. So liegen der Staatsregierung keine belastbaren Daten über Übergriffe auf Beschäftigte im ÖPNV vor. Eine Auswertung sei „zu aufwendig“. Gleichzeitig bestehen keine Erkenntnisse über Sicherheits- und Notfallkonzepte der Verkehrsunternehmen und auch zu konkreten Schutzmaßnahmen wie Bodycams oder Notrufsystemen gibt es keinen Überblick.
„Nach einem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter wäre Aufklärung das Mindeste gewesen. Stattdessen erklärt die Staatsregierung, warum sie die Fragen nicht beantworten kann. Das ist nicht ausreichend“, so Rudolph weiter. Besonders kritisch sei, dass der Freistaat keine aktive Rolle bei der Sicherheit im ÖPNV einnimmt, sondern die Verantwortung weitgehend den Verkehrsunternehmen überlässt. „Wer nicht einmal weiß, wie häufig Beschäftigte im ÖPNV angegriffen werden, kann sie auch nicht wirksam schützen. Sicherheit darf nicht delegiert werden – sie ist eine staatliche Kernaufgabe.“
Rudolph fordert deshalb:
- eine systematische Erfassung von Übergriffen auf ÖPNV-Beschäftigte,
- landesweite Mindeststandards für Sicherheitskonzepte,
- sowie eine stärkere Koordination zwischen Verkehrsunternehmen, Polizei und Behörden.
„Der tragische Tod eines Zugbegleiters darf kein Anlass für Betroffenheitsbekundungen bleiben. Er muss ein Weckruf sein – auch für Sachsen“, macht Bernd Rudolph klar.

