Jede vierte Unterrichtsstunde in Sachsen wird fach- oder schulartfremd erteilt
Lars Wurzler, bildungspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt zur Antwort des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus auf seine Kleine Anfrage (Drs. 8/7431) zur Ausstattung der sächsischen Schulen mit Lehrkräften:
„Die Antwort der Staatsregierung zeigt deutlich, dass der Lehrkräftemangel trotz des von Minister Clemens angekündigten Maßnahmenpakets weiterhin ungelöst ist. Die großen Ankündigungen der Staatsregierung stehen nach wie vor im Widerspruch zur Realität an den Schulen. Nach den eigenen Zahlen des Kultusministeriums fehlen landesweit 1.171 Vollzeitäquivalente (VZÄ), um den tatsächlichen Bedarf abzudecken.“
Besonders deutlich werde das Problem beim Blick auf den fach- und schulartfremden Unterricht. Wurzler weiter: „Mehr als jede vierte Unterrichtsstunde (25,04 Prozent) wird inzwischen fach- oder schulartfremd erteilt. Besonders dramatisch ist die Situation an den Förderschulen. Dort liegt der Anteil sogar bei knapp 62 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass die Staatsregierung den Mangel nicht beseitigt, sondern vor allem versucht, ihn zu verwalten.“
Diese Entwicklung sei laut Wurzler ein deutliches Warnsignal: „Wenn Unterricht dauerhaft fachfremd abgesichert werden muss, weil ausgebildete Lehrkräfte fehlen, hat das Auswirkungen auf die Qualität des Unterrichts. Am Ende sind es die Schülerinnen und Schüler, die die Folgen dieser verfehlten Personalpolitik tragen.“
Kritisch sieht Wurzler auch die fehlende Transparenz der Antwort: „Für mich ist es unverständlich, warum die Staatsregierung nicht offenlegt, wie viele konkrete Lehrkräfte notwendig wären, um die Lücke von 1.171 Vollzeitäquivalenten zu schließen. Gerade diese Zahl wäre notwendig, um das tatsächliche Ausmaß des Problems sichtbar zu machen. Stattdessen liefert die Regierung abstrakte Zahlen und verweist auf das Maßnahmenpaket, das offensichtlich nicht wirkt.“
Wurzler abschließend:
„Die Staatsregierung darf den Lehrkräftemangel nicht länger schönreden und verwalten. Sachsen braucht endlich eine verlässliche Strategie, um kurzfristig Unterricht abzusichern und gleichzeitig dauerhaft mehr grundständig ausgebildete Lehrkräfte zu gewinnen und dann an den Schulen zu halten.“

