Kinderkliniken unter Druck: weniger ärztliches Personal und fehlende Daten zur Versorgungslage
Die Zahl der Kinder- und Jugendmediziner an sächsischen Krankenhäusern ist zuletzt wieder spürbar gesunken. Nachdem im Jahr 2023 mit 326 Fachärzten ein Höchststand erreicht worden war, fiel die Zahl im Jahr 2024 auf 310 zurück. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage (Drs. 8/6859) des gesundheitspolitischen Sprechers und Vorsitzenden der BSW-Landtagsfraktion Sachsen, Ronny Kupke, zur Entwicklung der pädiatrischen Versorgungskapazitäten hervor.
Besonders drastisch fällt der Rückgang bei den Spezialisierungen aus: So sank die Zahl der Mediziner mit dem Schwerpunkt Neonatologie (Früh- und Neugeborenenmedizin) innerhalb nur eines Jahres von 72 (2023) auf 47 (2024). Auch in der Kinder- und Jugendchirurgie ist ein kontinuierlicher Abwärtstrend zu verzeichnen – hier schrumpfte die Zahl des ärztlichen Personals seit 2020 von 53 auf 38.
Gleichzeitig kann die Staatsregierung zentrale Fragen zur tatsächlichen Versorgungslage in den Kinderabteilungen nicht beantworten. Angaben zur Zahl der tatsächlich aufgestellten Betten in Kinderabteilungen, zu wegen Personalmangels nicht betreibbaren Betten sowie zum allgemeinen Bettennutzungsgrad liegen der Staatsregierung nicht vor. Zur Begründung verweist das Sozialministerium darauf, dass in somatischen Fachgebieten in Sachsen keine fachgebietsspezifischen Betten ausgewiesen werden, sondern lediglich Gesamtbettenzahlen der Kliniken. Auch zu den erwarteten Auswirkungen des ab 2027 geltenden Pflegeschlüssels in der pädiatrischen Versorgung liegen der Staatsregierung nach eigener Aussage keine Erkenntnisse vor, da die Datenhoheit bei den eigenverantwortlichen Klinikträgern liege.
Dazu erklärt Ronny Kupke:
„Der jüngste Rückgang bei den Kinderärztinnen und Kinderärzten in Sachsens Kliniken ist ein Alarmsignal. Besonders der massive Einbruch bei den Spezialisten in der Neonatologie und der fortlaufende Schwund in der Kinderchirurgie müssen ernst genommen werden. Gerade die Versorgung von Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen braucht ausreichend Fachpersonal, stabile Strukturen und verlässliche Kapazitäten. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihr Kind im Notfall schnell und hochqualifiziert versorgt wird – unabhängig davon, ob sie in einer Großstadt oder im ländlichen Raum leben.“
Ronny Kupke kritisiert zudem die lückenhafte Datengrundlage der Staatsregierung:
„Es ist nicht akzeptabel, dass sich die Staatsregierung bei der Versorgung unserer Kleinsten auf Unzuständigkeit beruft und nicht sagen kann, wie viele Kinderbetten in Sachsen tatsächlich zur Verfügung stehen, wie viele davon wegen Personalmangels gesperrt sind und wie stark die Abteilungen ausgelastet sind. Eine vorausschauende Krankenhausplanung braucht verlässliche Daten. Ohne dieses Wissen fliegt Sachsen im Blindflug und kann drohende Versorgungsengpässe weder frühzeitig erkennen noch wirksam verhindern.“


