Im Notfall zählt jede Minute – doch in Sachsen richtet sich der Rettungsdienst teilweise noch nach Regeln aus dem Jahr 2020. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage (Drs. 8/6022) des Landtagsabgeordneten Jens Hentschel-Thöricht (BSW) hervor.

Brisant: Eine eigenständige Überprüfung des zentralen Indikationskatalogs für Notarzteinsätze ist nicht geplant. Stattdessen will die Staatsregierung erst im Zuge einer späteren Novellierung Empfehlungen der Bundesärztekammer übernehmen – ohne konkreten Zeitplan.

Für Hentschel-Thöricht ist das ein alarmierendes Signal: „Während sich Notfallmedizin, Technik und Ausbildung rasant weiterentwickeln, bleibt das Regelwerk stehen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert, dass der Rettungsdienst hinter der Realität zurückbleibt.“

Besonders kritisch: Das System funktioniert laut Staatsregierung aktuell nur deshalb, weil in Einzelfällen bewusst von den bestehenden Vorgaben abgewichen werden kann. Für die BSW-Fraktion ist genau das der Kern des Problems.

„Wenn ein System auf Ausnahmen angewiesen ist, um richtig zu funktionieren, ist es strukturell überholt. Das sorgt für Unsicherheit bei den Einsatzkräften – und im Zweifel für Risiken bei den Patienten.“

Noch problematischer ist aus Sicht des BSW der fehlende Zeitdruck: Eine Überarbeitung der Verordnung ist lediglich „in dieser Legislaturperiode“ vorgesehen – ein Zeitraum, der mehrere Jahre umfassen kann.

Der Fachpolitiker fordert daher klare Konsequenzen:

  • sofortige und eigenständige Evaluation der bestehenden Regelungen
  • verbindlicher Zeitplan für die Novellierung
  • konsequente Anpassung an moderne medizinische und technische Standards.

Sein Fazit: „Im Rettungsdienst darf nicht die Bürokratie das Tempo bestimmen, sondern der medizinische Fortschritt. Wer Hilfe braucht, muss sich darauf verlassen können, dass das System auf dem neuesten Stand ist – nicht auf dem Stand von gestern.“

Die BSW-Fraktion kündigt an, das Thema weiter politisch voranzutreiben und konkrete Verbesserungen einzufordern.

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