Drosten-Aussagen offenbaren Widersprüche – BSW fordert klare Trennung von Wissenschaft und Politik sowie vollständige Aufarbeitung
Ines Biebrach und Jens Hentschel-Thöricht (BSW): Aussagen von Prof. Drosten zeigen dringenden Aufklärungsbedarf – Wissenschaftliche Beratung und politische Entscheidungen müssen sauber getrennt werden
Dresden, 14.11.2025
Die gestrige Befragung von Prof. Christian Drosten im Corona-Untersuchungsausschuss des Sächsischen Landtages hat erneut deutlich gemacht, wie viele offene Fragen hinsichtlich der wissenschaftlichen Grundlagen, der politischen Entscheidungsprozesse und der tatsächlichen Verantwortungslinien während der Pandemie bestehen. Aus Sicht der BSW-Fraktion sind die Antworten des Virologen ein weiterer Beleg dafür, dass eine umfassende und transparente Aufarbeitung notwendig bleibt.
„Besonders kritisch bewerten wir die wiederholten Widersprüche zwischen den öffentlichen Aussagen und den später geänderten Einschätzungen von Prof. Drosten. So verwies er in der Anhörung darauf, keine politischen Empfehlungen abgegeben zu haben – obwohl er unter anderem Leopoldina-Stellungnahmen mitunterzeichnete, die klare politische Handlungsaufforderungen enthielten, etwa zu harten Lockdowns oder zur Impfung von Kindern. Gleichzeitig räumte er ein, dass zentrale Indikatoren wie die 7-Tages-Inzidenz politisch gesetzte Werte waren, obwohl sie als Grundlage schwerwiegender Grundrechtseingriffe dienten“, so Ines Biebrach.
Ebenso offen bleibt, warum bei der Maskenpflicht für Kinder Warnungen zahlreicher Fachleute kaum Berücksichtigung fanden. Die nun geäußerte Einschätzung, man habe damals keine negativen Auswirkungen erwartet, ist angesichts der bekannten Unsicherheiten unbefriedigend. Auch bei den Schulschließungen verwies Prof. Drosten erneut auf ein einzelnes hiistorisches Papier – während gleichzeitig frühe RKI-Daten zeigten, dass Kinder deutlich seltener schwer erkrankten und eine geringere Rolle in Transmissionsketten spielten.
Die Befragung machte erneut sichtbar, dass die Datenlage in zentralen Punkten unscharf war, politisch relevante Annahmen aber dennoch mit großer Sicherheit kommuniziert wurden. Aus Sicht des BSW ist genau das eines der Kernprobleme der Pandemiepolitik: Wissenschaftliche Unsicherheit wurde in politische Gewissheit umgewandelt – und führte damit zu unverhältnismäßigen Maßnahmen.
Jens Hentschel-Thöricht stellt abschließend klar: „Wir fordern daher weiterhin eine lückenlose Aufarbeitung der Entscheidungswege, eine klare Trennung zwischen wissenschaftlicher Beratung und politischer Verantwortung sowie transparente Dokumentationen aller Einflussfaktoren. Nur so kann Vertrauen wiederhergestellt und aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt werden.“
Unabhängige Aufklärung ist keine Abrechnung, sondern Voraussetzung für verantwortungsvolle Politik.


