Auf Einladung des mittelsächsischen Abgeordneten Prof. Dr. Jörg Scheibe fand ein Austausch mit zahlreichen Schulleitern und Geschäftsführern evangelischer und freier Schulen aus Sachsen im Sächsischen Landtag statt. Das Treffen resultierte aus dem Wunsch mehrerer Schulen und Träger, um über die sie betreffenden Haushaltskürzungen und ihre allgemeine Situation zu sprechen. Gemeinsam mit Scheibes Fraktionskollegen Lars Wurzler, bildungspolitischer Sprecher der BSW-Landtagsfraktion, wurden die aktuellen Herausforderungen der freien Schulträger intensiv beraten.

Besonders kritisch bewertet wird die vorgesehene Kürzung der Sachkosten um zehn Prozent. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, ob vergleichbare Einsparungen ebenso bei staatlichen Schulen vorgenommen werden.

Zudem will die Staatsregierung die Zugangsvoraussetzungen für die Gründung freier Schulen weiter verschärfen. Die Träger befürchten, dass unter diesen Bedingungen künftig kaum noch Neugründungen möglich sein werden. Auch bisher mögliche Außenstellen innerhalb eines Einzugsgebietes sollen gestrichen werden. Dadurch konnte beispielsweise einer Anfrage eines Bürgermeisters an einen evangelischen Schulträger nicht entsprochen werden.

Die Vertreter der freien Schulen machten zudem deutlich, dass sich ihre Einrichtungen bereits heute zu großen Teilen über Spenden, Schulgelder und ehrenamtliches Engagement finanzieren. Die monatlichen Schulgelder liegen häufig lediglich zwischen 60 und 80 Euro. Fördermittel fallen jedoch vergleichsweise gering aus. Gleichzeitig tragen Elternarbeit, Ehrenamt, Sponsoren sowie mittelständische Unternehmen wesentlich zum Erhalt der Schulen bei.

Hinzu kommt, dass Lehrkräfte an Schulen in freier Trägerschaft nicht verbeamtet werden. Aufgrund des allgemeinen Lehrermangels werden dort zudem verstärkt Quereinsteiger eingestellt. Aus Sicht der Teilnehmer übernehmen freie Schulträger damit bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Staates und arbeiten vergleichsweise kostengünstig. Umso größer ist die Sorge, dass ein bewährter und günstiger Partner des Staates durch die geplanten Einsparungen langfristig kaputtgespart wird.

Prof. Dr. Jörg Scheibe, Sprecher für Umweltpolitik, Klimapolitik, Wissenschaft und Hochschulen der BSW-Fraktion: „Wenn freie Schulen in Mittelsachsen einen ordentlichen Unterricht ohne Ausfall von Stunden und Fächern erreichen können, sollten wir gründlich darüber nachdenken, warum das staatliche Bildungssystem in Sachsen das nicht schafft und gemeinsam an faktenbasierten Lösungen arbeiten. Es sollte auch separat untersucht werden, wie freie Schulen im Vergleich zu staatlichen Schulen bei PISA-Tests abschneiden. Das ist eigentlich Aufgabe der Staatsregierung, sich um diese Fragen zu kümmern. Wir als BSW werden nicht wegsehen, wenn die Grundlagen unseres Wissenschaftsstandortes bereits im Kindesalter vom Staat vernachlässigt werden.“