Geschlechtersensible Medizin in Sachsen: viel Bedarf, wenig Struktur
Die Antworten der Sächsischen Staatsregierung auf zwei Kleine Anfragen (Drs. 8/6624 und 8/6625) des gesundheitspolitischen Sprechers und Vorsitzenden der BSW-Landtagsfraktion Sachsen, Ronny Kupke, zur geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung und der entsprechenden Datenlage offenbaren erhebliche Defizite im Freistaat. So räumt die Staatsregierung ein, dass sie bislang keine landesweite Strategie zur geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung verfolgt. Gleichzeitig liegen ihr zu wesentlichen Bereichen der Versorgung – insbesondere im ambulanten Sektor – keine eigenen Erkenntnisse vor.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Blick auf Forschung und Datenlage: Der Freistaat fördert derzeit keine Forschungsprojekte zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in Diagnostik, Therapie oder Prävention. Auch zu geplanten Maßnahmen zur Schließung bestehender Datenlücken macht die Staatsregierung keine Angaben. Dabei zeigen die vorhandenen Daten schon seit Jahren, dass geschlechtsspezifische Unterschiede erheblichen Einfluss auf Gesundheit und Versorgung haben. Krankheitsrisiken und Krankheitsverläufe unterscheiden sich teilweise deutlich – etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder psychischen Erkrankungen. Auch bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zeigen sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen.
Dazu erklärt Ronny Kupke: „Geschlechtersensible Medizin ist längst kein Nischenthema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung. Wenn die Staatsregierung selbst einräumt, dass Unterschiede bei Diagnostik, Therapie und Krankheitsverläufen bestehen, kann sie sich nicht gleichzeitig hinter angeblich fehlenden Zuständigkeiten verstecken. Wer gesundheitliche Unterschiede ernst nimmt, muss sie systematisch erfassen, wissenschaftlich untersuchen und politisch berücksichtigen. Sachsen braucht endlich ein landesweites Konzept für geschlechtersensible Medizin.“


