Gewalt in medizinischen Einrichtungen nimmt zu – BSW-Fraktion fordert entschlossenes Handeln
Die Zahl der Gewaltvorfälle in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und im Rettungsdienst in Sachsen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus der Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des BSW-Abgeordneten Ronny Kupke hervor.
Allein in sächsischen Krankenhäusern stieg die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten von 358 Fällen im Jahr 2020 auf 469 Fälle im Jahr 2024, mit einem Höchststand von 480 Fällen im Jahr 2023. Auch die Zahl der Opfer nahm im selben Zeitraum deutlich zu – von 406 auf 605 Betroffene.
Besonders betroffen sind Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Beschäftigte im Rettungsdienst. Vor allem Körperverletzungen, Bedrohungen und Angriffe auf Einsatzkräfte haben spürbar zugenommen. So stiegen etwa die erfassten Körperverletzungen in Krankenhäusern von 119 Fällen (2020) auf 138 Fälle (2024), während sich die Fälle von Widerstand und tätlichen Angriffen auf Beschäftigte nahezu verdoppelten. Auch im Rettungsdienst zeigt sich eine alarmierende Entwicklung mit einem deutlichen Anstieg der Opferzahlen bis 2023.
„Die Zahlen bestätigen das, was Beschäftigte im Gesundheitswesen seit Langem erleben: Gewalt gehört für viele inzwischen zum Arbeitsalltag“, erklärt Ronny Kupke, gesundheitspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion. „Wer Menschen in Not hilft, wird immer häufiger selbst bedroht oder angegriffen – das ist ein unhaltbarer Zustand.“
Kupke betont zugleich die besondere Leistung der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich: „Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Pflegekräften, Ärztinnen, Ärzten und Rettungskräften, die sich tagtäglich für die Menschen in diesem Land einsetzen. Trotz Personalmangel, Überlastung und wachsendem Druck halten sie die Versorgung aufrecht. Das verdient Respekt, Anerkennung und vor allem besseren Schutz.“
Auch in stationären Pflegeeinrichtungen spiegelt sich die Entwicklung wider. Die Zahl der beim Kommunalen Sozialverband Sachsen eingegangenen Beschwerden wegen Übergriffen stieg nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im Jahr 2024 auf 158 Beschwerden an – mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Für die BSW-Fraktion ist klar, dass diese Zahlen auf strukturelle Probleme hinweisen.
„Ein kaputtgespartes Gesundheitswesen, chronischer Personalmangel und permanente Überforderung führen zu Frust, Eskalationen und letztlich auch zu Gewalt. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend – sie ist das Ergebnis jahrelanger politischer Versäumnisse“, so Kupke.
Der Freistaat Sachsen müsse daher endlich konsequent handeln. Die BSW-Landtagsfraktion fordert verbindliche und ausreichend finanzierte Gewaltschutzkonzepte, bessere Personalschlüssel, regelmäßige Schulungen für Beschäftigte sowie eine stärkere Unterstützung der Einrichtungen durch Präventions- und Sicherheitsstrukturen. „Gewalt darf im Gesundheitswesen niemals als normales Berufsrisiko akzeptiert werden. Wer Pflege und medizinische Versorgung ernst nimmt, muss auch diejenigen schützen, die diese Arbeit tagtäglich leisten“, stellt Kupke klar.

