Jens Spahn – der deutsche »Teflon Don«, an dem nichts anhaftete – geht von Bord. Wobei, nicht ganz: er tritt lediglich als Fraktionsvorsitzender zurück, das Bundestagsmandat behält er, und auch sonst wird er weich fallen.

Gestolpert ist er dabei über eine Privatgeschichte, von der er gehofft haben dürfte, dass sie zwischen politischem Sommerloch und netten Fotos für die Boulevard-Presse unterginge. Stattdessen wurde ihm nun seine Instinktlosigkeit zum Verhängnis.

Ronny Kupke, BSW-Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag:

„Mit beispielloser Skrupellosigkeit zog Jens Spahn bis jetzt sein Ding durch: Seien es die milliardenteuren Maskendeals, bei denen ein Großteil der Atemschutzmasken im Müll landeten; oder das Spendendinner in Leipzig 2020, zu dem Spahn handverlesene Unternehmer einlud – während im ganzen Land private Zusammenkünfte verboten und von der Polizei kontrolliert wurden; sei es nun die Villa in Berlin für 5,5 Millionen Euro, die vollständig durch den Kredit einer Sparkasse finanziert wurde, für die Spahn bis 2015 im Verwaltungsrat saß; oder Spahns unfassbare Entgleisung von der »Pandemie der Ungeimpften«, für die es nie eine wissenschaftliche Grundlage gab, die aber Millionen Menschen diskriminierte und einen tiefen Graben – bis heute – durchs Land zieht.

Diese pseudoelitäre Attitüde, diese neofeudale Arroganz der Macht einer Kaste, die anderen Gesetze aufzwingt, die für sie selbst nicht gelten: dieses undemokratische Verhalten treibt die Bürger in die Politik(er)verdrossenheit und verstärkt das Misstrauen.

Klar ist: Jens Spahn hätte schon viel früher zurücktreten müssen. Und er hätte schon viel früher zur Verantwortung gezogen werden müssen. Jetzt passiert? Wahrscheinlich nichts.“