Lehrerbedarf – ein immer wieder kontrovers diskutiertes Thema und höchst brisant vor dem Hintergrund des seit Jahren sich auch in Sachsen verschärfenden Problems Lehrermangel! Die jetzt erstellte Lehrerbedarfsprognose der Sächsischen Staatsregierung kommt zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2040 rund 4600 Lehrerstellen zu streichen seien. Die Zahl orientiert sich an den im Dezember 2025 veröffentlichten Schülerprognosen des Statistischen Landesamtes, wonach im Schuljahr 2040/2041 in Sachsen rund 80.000 weniger Kinder und Jugendliche eine Schule besuchen werden.

An der gestern der Öffentlichkeit vorgestellten Lehrerbedarfsprognose der Staatsregierung kritisiert Lars Wurzler, bildungspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag, die deutlich intransparente Informationspraxis: „Zentrale Informationen werden offenbar vorab an ausgewählte Akteure wie Presse, Verbände und möglicherweise einzelne Fraktionen weitergegeben. Die BSW-Fraktion war hingegen nicht gleichwertig eingebunden, obwohl wir mit einer Kleinen Anfrage vom 20. April 2026 (Drucksache 8/6751) die Daten zur Lehrkräfteentwicklung abgefragt haben. Das ist inakzeptabel.“ Diese Informationspraxis werfe aus Sicht der BSW-Fraktion grundsätzliche Fragen zur politischen Fairness und Gleichbehandlung der Fraktionen im Landtag auf. Planungen, die den gesamten Bildungsbereich in Sachsen strukturell betreffen, dürften nicht zu einem abgeschotteten Prozess werden, bei dem zentrale Akteure erst nachgelagert informiert werden.

Wurzler weiter: „In der Sache selbst sehe ich erhebliche inhaltliche Defizite in der vorgelegten Prognose. Es bleibt völlig unklar, ob der angekündigte Stellenabbau ausschließlich durch altersbedingte Abgänge erfolgen soll oder ob die Staatsregierung mittelfristig auch andere Maßnahmen – etwa durch faktische Stellenstreichungen oder strukturelle Einschränkungen – in Betracht zieht.“

Ebenfalls kritisch bewertet die BSW-Fraktion die Begründungslogik einzelner Maßnahmen. Wurzler dazu: „Es bleibt unbeantwortet, in welchem konkreten Zusammenhang zusätzliche Unterrichtsbestandteile wie eine „Klassenleiterstunde“, zusätzlicher Sportunterricht oder Änderungen im Grundschulbereich mit der langfristigen Reduzierung der Lehrerstellenzahl stehen. Aus meiner Sicht – und das muss ich so offen sagen – entsteht der Eindruck, dass hier nachträglich Argumente herbeikonstruiert werden, um eine bereits feststehende Stellenabbauzahl der Öffentlichkeit gegenüber als politisch plausibel darstellen zu können. Ich warne davor, die Lehrkräfteplanung allein auf statistische Fortschreibungen und optimistische Annahmen zu stützen.“

Bereits am 13. April hatte Wurzler in einer Pressemeldung die ersten Ankündigungen zu perspektivischen Lehrerstellenkürzungen als „bildungspolitischen Irrweg“ kommentiert und gefordert, eine Bedarfsanalyse vorzulegen, die sich an der Qualität von Bildung orientiert und nicht an mittelfristigen Sparzielen. Ein solches Vorgehen enthält zudem keinen ausreichenden „Plan B“, um auf unvorhersehbare Entwicklungen wie etwa zusätzliche Schülerzuwächse, regionale Engpässe, steigende Teilzeitquoten oder weiter zunehmende Belastungsanzeigen im Schuldienst flexibel reagieren zu können.

„Eine Personalplanung im Bildungsbereich braucht Reserven statt Rechenexzesse. Wer heute schon den Stellenabbau bis 2040 festschreibt ohne realistische Alternativszenarien vorzulegen, riskiert eine Verschärfung des Lehrkräftemangels und damit direkte Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität. Die Bildungsplanung in Sachsen muss sich an der Realität in den Schulen, der Belastung der Lehrkräfte und der Sicherung gleichwertiger Bildungschancen im ganzen Land orientieren“, so Wurzler.