Markt versagt: Vier Millionen Kilogramm Kartoffeln müssen verschenkt werden
Zum 100. Jubiläum der Internationalen Grünen Woche werden vier Millionen Kilogramm Kartoffeln kostenlos verteilt. Die Kartoffeln stammen aus einem Agrarbetrieb südlich von Leipzig, sind von bester Speisequalität und vollständig lagerfähig, konnten jedoch nicht über den regulären Handel verkauft werden. Ursache ist ein klassisches Marktproblem: Nach der Ernte kam es zu einem deutlichen Preisverfall infolge eines Überangebots. Ein ursprünglich geplanter Absatz war dadurch wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, obwohl die Ware bereits geerntet und eingelagert war. Die Aktion der Berliner Morgenpost und Ecosia ermöglicht eine sinnvolle Nutzung der überschüssigen Lebensmittel. Der Transport nach Berlin wird übernommen, die Verteilung erfolgt über Schulen, soziale Einrichtungen, Vereine und Initiativen; ein Teil der Menge geht an die Berliner Tafel. Start ist zur Grünen Woche, Anmeldeschluss für Abnahmestellen war der 12. Januar. (Weitere Informationen und Anmeldung unter www.4000-tonnen.de.)
Ulf Lange, landwirtschaftspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt:
„Dass vier Millionen Kilogramm einwandfreie Kartoffeln unverkauft bleiben, obwohl sie geerntet, gelagert und eigentlich abgenommen waren, zeigt die strukturellen Schwächen unseres Lebensmittelsystems. Marktmechanismen wie Überangebot und Preisverfall setzen Erzeuger unter wirtschaftlichen Druck, selbst wenn Verträge bestehen. Wir brauchen stabile Absatzstrukturen, flexible Vermarktungswege und regionale Netzwerke, damit qualitativ hochwertige Lebensmittel nicht ungenutzt bleiben. Gleichzeitig muss die Politik prüfen, wie Überschüsse sinnvoll verteilt oder abgesichert werden können, ohne dass Landwirtinnen und Landwirte darunter leiden.“


