In Sachsen ist der Unterrichtsausfall im Fall Physik an Oberschulen sogar noch höher als an Gymnasien. Im ersten Halbjahr 2025 im Schnitt doppelt so hoch. Das sorgt bei Jörg Scheibe, selbst Professor, Vizepräsident des Sächsischen Landtags und Sprecher für Wissenschaft und Hochschulen der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag für Betroffenheit. Ein Beispiel ist die Oberschule Altendorf in Chemnitz; dort fiel der Physikunterricht eines Schülers von der 6. bis zur 8. Klasse komplett aus. „Wissenschaft verschwindet aus dem Bildungsweg, wir verlieren gewissermaßen unsere Kinder“, so Jörg Scheibe.

Noch 2025 verkündete das Kultusministerium stolz eine Trendwende: Erstmals seit einem Jahrzehnt sei an Sachsens Schulen weniger Unterricht ausgefallen.

Doch: „Genau wie der Sächsische Lehrerverband (SLV) kritisiere ich diese Schönfärberei. Wenn einem Oberschulkind trotzdem von der 6. bis zur 8. Klasse der Physikunterricht fehlt, werden Grundlagen in Mechanik, Elektrotechnik und Elektronik nicht mehr aufholbar. Besonders für die wichtigsten Branchen im Maschinenbau, Mikroelektronik und Energietechnik. Der Zugang zu technischen oder handwerklichen Berufen wird selbst durch teure Nachhilfe kaum mehr möglich. Sieht so Bildungs- und Chancengleichheit aus?“, so Scheibe.

Für die Mehrheit Sachsens (z.B. in Mittelsachsen) ist die Oberschule die meistbesuchte weiterführende Schulart, was auch durch das dichte Netz an beruflichen Schulzentren in der Region gestützt wird. Gerade Berufswünsche wie Elektriker oder Mechatroniker bleiben jungen Schülern verwehrt, wenn über Jahre kein Unterricht in naturwissenschaftlichen Fächern stattfindet. Schülern – auch betroffener Gymnasien – fehlen Voraussetzungen zur Berufsausübung. Kultusminister Clemens stellte fest, dass dies eine Folge überzogener Sparmaßnahmen früherer Jahre ist.

„Bravo, Herr Clemens, dass Sie BSW-Positionen teilen!“, so Scheibe. „Nur, wo bleibt der Unterricht? Wir als BSW haben mit unserem ersten von CDU und SPD unterstützten Antrag die Anerkennung der Dyskalkulie durchgesetzt und das Handyverbot an Grundschulen etabliert. Mehr machte die Minderheitsregierung aber nicht mit. Die vergangenen anderthalb Jahre und der schwarz-rot-rot-grüne Doppelhaushalt waren verschwendete Zeit. In diesen anderthalb Jahren sind Bildungsbiografien von Schülern unumkehrbar zerbrochen. Das ist Staatsversagen und bildungspolitische Kindesvernachlässigung.“

Eine SPD, die die Kleinsten und Schwächsten ihrer Zukunftschancen beraubt, ist weder sozial, noch demokratisch. Eine CDU, die ihre eigene Wirtschaftskompetenz vergisst und die Interessen von über 400.000 Kindern und über 35.000 Lehrern ignoriert, ist populistisch und hat ihren Markenkern vergessen. Diese ‚Kernschmelze‘ kann auch ein Physiklehrer nicht mehr erklären. Ungewollter ‚Bildungs-Urlaub‘ in Physik erhält hier eine doppelte, traurige Bedeutung.

Prof. Jörg Scheibe dazu abschließend: „Wir wollen einen starken Sozialstaat, der für alle Kinder Bildung als Schlüssel für Aufstieg und Wohlstand zukunftsfest macht. Der durch Bildungsgerechtigkeit auch die schwächsten Mitglieder unserer Gemeinschaft unterstützt, Unternehmen der Spitzentechnologie und Fachkräfte für Sachsen hervorzubringen. Wir fordern eine langfristige und verbindliche Personalentwicklung in Bildung und Lehre ein.“