Für viele Anhänger von sächsischen Traditionsvereinen war es schlimmer als das frühe Aus der Nationalmannschaft bei der WM: Die angestrebte Lösung für eine faire Aufstiegsregelung in der Regionalliga ist im letzten Moment geplatzt. In der kommenden Saison spielen sage und schreibe neun ehemalige DDR-Oberligisten in der Staffel Nordost. Die vierte Liga nach Bundesliga, Zweiter und Dritter Bundesliga hat hier bundesweit den mit Abstand höchsten Stellenwert und die meisten Zuschauer.

Gerade der Fußball-Osten leidet bisher darunter, dass es in Deutschland fünf Regionalligen gibt, aber nur vier Mannschaften in die Dritte Liga aufsteigen können. Die Folge: Lok Leipzig scheiterte als Nordost-Meister vor wenigen Wochen bereits zum dritten Mal in den dadurch notwendigen Aufstiegsspielen. „Meister müssen aufsteigen, anders kann es gar nicht sein“, spricht sich Ralf Böhme, sportpolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im sächsischen Landtag, für die Beseitigung dieser Ungerechtigkeit aus.

Eine Abstimmung in den fünf Regionalverbänden unter Beteiligung der Vereine von der dritten bis zur fünften Liga ergab jetzt, dass sich auch 95 Prozent der Vereine eine Regionalliga-Reform wünschen, bei der aus fünf Staffeln vier werden. Strittig ist nur, welches Modell dabei zum Tragen kommen soll. Über die Hälfte der Vereine votierte für das „Kompassmodell“, das für die größte Chancengleichheit steht: Alle Viertligisten werden nach geografischen Gesichtspunkten vor jeder Saison auf die neuen vier Staffeln mit je 20 Mannschaften verteilt – ohne feste Grenzen.

Dass eine Mehrheit der Vereine für dieses Modell stimmte, war am Ende aber nicht ausschlaggebend, hatten sich die Regionalliga-Verbände doch darauf geeinigt, dass die Reform nur bei einer Mehrheit in allen Verbänden beschlossen würde. Das war jedoch nur in drei Staffeln der Fall, im Nordosten sogar mit 76 Prozent. Der Südwesten stimmte dagegen mit 93 Prozent für das „Regionenmodell“, bei dem nur die Staffeln Nord, Nordost und Bayern zusammengelegt werden: Für die sächsischen und thüringischen Vereine würde das eine gemeinsame Staffel mit den bayerischen bedeuten. In Bayern selbst will eine Mehrheit weder das eine noch das andere Modell.

Wie es nun weitergeht, ist noch völlig unklar. Ralf Böhme: „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Fußballfans n Sachsen, dass eine überfällige Reform durch Eigeninteressen blockiert wird. Es müssen schnellstens Nägel mit Köpfen gemacht werden, damit sich ein Schicksal wie das von Lok Leipzig nicht noch unzählige Male wiederholt.“