Schulabsentismus in Sachsen: Mehr Bußgelder, mehr Schulabbrecher – aber keine klare Strategie
Zur Antwort des Sächsisches Staatsministerium für Kultus (SMK) auf die Kleine Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der BSW-Fraktion, Lars Wurzler, erklärt dieser: „Die Staatsregierung beschreibt in vielen Worten zahlreiche Instrumente – doch die Zahlen zeigen: Die Probleme verschärfen sich weiter. Schulabsentismus wird verwaltet, aber nicht wirksam bekämpft.“
Zwar verweist das Ministerium auf schulische Prävention, Angebote des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB), Schulsozialarbeit und alternative Lernangebote. „Konkrete landesweite Zielgrößen, verbindliche Standards oder messbare Erfolgsindikatoren bleiben jedoch aus“, so Wurzler.
Besonders kritisch bewertet Wurzler, dass die Staatsregierung keine landesweiten Daten zum konkreten Einsatz der Schulsozialarbeit bei Schulabsentismus vorlegen kann. Hier verweist sie auf die kommunale Zuständigkeit.
Wurzler weiter: „Wer Prävention ernst meint, muss auch wissen, was tatsächlich passiert. Dass das Kultusministerium keine belastbaren Daten zur Schulsozialarbeit hat, ist ein strukturelles Defizit. Das muss behoben werden, genauso wie die viel zu geringe Versorgung mit Schulsozialarbeit, was zum Problem beitragen dürfte.“
Im Schuljahr 2024/2025 wurden sachsenweit lediglich 231 schulpsychologische Anmeldungen mit dem ursprünglichen Beratungsanlass Schulangst bzw. Schuldistanz registriert. Diese Zahl erfasst ausschließlich Fälle, die durch Familien selbst angemeldet wurden. Wurzler: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir wissen nicht, wie viele betroffene Schülerinnen und Schüler es tatsächlich gibt – und genau das ist das Problem.“
Die Antwort des SMK zeigt zudem eine hohe Zahl von Ordnungswidrigkeitsverfahren. „Allein im Schuljahr 2024/2025 wurden in zahlreichen Landkreisen und kreisfreien Städten hunderte Verfahren wegen Schulbesuchspflichtverletzungen geführt. Gleichzeitig kann die Staatsregierung nicht sagen, ob und in welchem Umfang es zur Umwandlung in Jugendarrest gekommen ist – auch hier verweist sie auf fehlende Zuständigkeit. Wenn selbst bei solch gravierenden Maßnahmen keine landesweite Übersicht existiert, fehlt es offensichtlich an strategischer Steuerung.“
Wurzler: „Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Schulabschlüssen: Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist von 3.075 nach dem Schuljahr 2023/2024 auf 3.210 nach dem Schuljahr 2024/2025 gestiegen. Mehr als 3.200 junge Menschen verlassen die Schule ohne Abschluss – das ist nicht nur eine bildungspolitische, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Hypothek für unser Land.“
„Wir als BSW-Fraktion im Sächsischer Landtag fordern daher eine landesweit abgestimmte Gesamtstrategie gegen Schulabsentismus, eine verpflichtende Datenerhebung zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Vorbeugung von Schulabsentismus, verbindliche Qualitätsstandards für Präventionsmaßnahmen, eine bessere Verzahnung von Schule, Jugendhilfe und Schulpsychologie sowie ein systematisches Monitoring der Schulabbrecherzahlen“, erklärt der Bildungspolitiker.
Abschließend hält Wurzler fest: „Wir brauchen weniger Zuständigkeitsdebatten und mehr Verantwortung. Jeder Schulabbruch ist einer zu viel. Die Staatsregierung darf sich nicht hinter Verwaltungsgrenzen verstecken.“

