Unmut unter sächsischen Lehrkräften in Ausbildung für das Lehramt Gymnasium – Krisengipfel soll über Blockade des SMK hinwegtäuschen
Das Kultusministerium zeigt schon lange eine beharrliche Ignoranz im Umgang mit der Kritik von Nachwuchslehrkräften für das gymnasiale Lehramt. Zentrale Kritikpunkte sind der Einsatz an anderen Schularten und eine Einstellungsbremse in städtischen Regionen. „Es ist fraglich, ob ein jetzt eilig anberaumter Krisengipfel und Gespräche mit Absolventinnen und Absolventen durch das Staatsministerium für Kultus (SMK) Abhilfe schaffen und von einem Dienstantritt in ländlichen Regionen überzeugen können“, sagt Lars Wurzler, bildungspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag.
Studierende des Lehramts an Gymnasien hatten sich am 8. Oktober 2025 in einem offenen Brief an das SMK gewendet und einen „ergebnisoffenen Dialog“ zu ihrer Situation angeregt. Weil das Kultusministerium nicht reagierte, hakte eine Kleine Anfrage (Drs 8/5548) Anfang 2026 nach.
In ihrem Brief formulierten die Lehrkräfte in Ausbildung Folgendes: „Das Sächsische Staatsministerium hat zuletzt eine Einstellungsbremse für städtische Regionen verhängt, weitreichende Einschränkungen des schulscharfen Bewerbungsverfahrens verkündet und forciert auch den schulartfremden Einsatz von Lehrkräften. Konkrete Lebenssituationen werden bei der Einstellung nicht länger im bisherigen Maße berücksichtigt, Konsequenzen bei Ablehnung jedweden Stellenangebots wurden angedroht. Für uns angehende Lehrkräfte bedeutet dies den Zwang zu einer bewusst unspezifisch gehaltenen Bewerbung und sodann eine abrupte Verschiebung des Lebensmittelpunkts mit allen erwartbaren persönlichen Konsequenzen. Ein ähnliches Prozedere wäre keinem anderen Arbeitnehmer und keiner anderen Arbeitnehmerin je zumutbar… Auch die Perspektive, an eine andere Schulform zu wechseln, ist seitens des SMK bisher weder durch konkrete Programme zur Weiterentwicklung noch zur Abfederung von Härten begleitet worden …“
Kritik, die Wurzler für berechtigt hält. „Natürlich braucht es eine möglichst gleichmäßige Unterrichtsversorgung an allen sächsischen Schulen, natürlich braucht es Einstellungen insbesondere in ländlichen Bedarfsregionen. Über den Amtsbegriff ‚Bedarfsschulart‘ lässt sich allerdings bereits streiten“, so Wurzler. „Und die entscheidende Frage ist die nach dem Wie!“
In seiner Antwort auf die Kleine Anfrage vom 12. Februar 2026 wiegelt das Kultusministerium ab. Auf die Frage nach konkreten Maßnahmen, um den Wechsel von angehenden gymnasialen Lehrkräften an eine andere Schulart zu unterstützen – etwa durch konkrete Programme zur persönlichen Weiterentwicklung – sowie zur Abfederung von Härten für die individuelle Lebensplanung verweist das SMK auf bestehende Fortbildungen aus dem Programm der staatlichen Lehrkräftefortbildung sowie auf „Einblicke in andere Schularten“ bei der schulrechtlichen Ausbildung. Wurzler: „Also gibt es keinerlei zusätzliche Unterstützung. Dabei gibt es Gründe, warum wir einzelne Ausbildungsgänge für unterschiedliche Schularten haben – ein Wechsel, wenn er im Interesse von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften gelingen soll, ist keineswegs trivial. Zweifel am Erfolg des bestehenden Verfahrens sind da wohl mehr als angebracht.“
Laut SMK seien bezüglich der Lebensplanung keine Härten erkennbar, da die Gehaltsunterschiede zwischen den Schularten nicht mehr existierten. Das ist ernst gemeint. Wurzler dazu: „Als ob es immer nur um den finanziellen Aspekt ginge?“
Wurzler kritisiert scharf, dass das SMK mit so einer Haltung motivierten künftigen Lehrkräften für Sachsen begegnet. Die vom SMK praktizierte Bildungspolitik mit immer wiederkehrenden, zu kurz gedachten Entscheidungen und mangelnder Wertschätzung bleibt nicht folgenlos. Das Onlineportal Tag24 schreibt am 14. Februar 2026, vorläufige Einstellungszahlen ließen befürchten, dass immer weniger in Sachsen ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer, vor allem nach einem Studium für das Lehramt am Gymnasium, ihren Dienst auch in Sachsen antreten.
Nach ihrem jahrelangen Studium in Dresden oder Leipzig haben Studierende hier ihr Leben mit all seinen Facetten eingerichtet, sodass sogar Pendeln in ein anderes Bundesland attraktiver ist als in die Bedarfsregionen in den Landkreisen Bautzen oder Görlitz umzusiedeln.
„In meiner Großen Anfrage des BSW zum Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung (Drs 8/4516) habe ich die berechtigte Frage nach Anreizen gestellt und wir haben selbst Vorschläge zur Verbesserung der Situation unterbreitet, wie eine verbindliche Aussicht auf den Einsatz in der studierten Schulart Gymnasium, wenn davor z.B. fünf Jahre an ländlichen Oberschulen unterrichtet wurde. Auch spezielle Fortbildungen, die den Einstieg in eine andere Schulart kompetent vorbereiten und begleiten, haben wir angeregt – im Übrigen etwas, das die Landesregierung selbst in ihrem Maßnahmenpaket versprochen hat“, so Wurzler. Das SMK antwortete, „Bewerber stärker in Bedarfsregionen zu lenken“, habe alleinige Priorität.
Wurzlers Fazit: „Das SMK agiert ungeschickt und setzt in einem Bereich, der vom Fachkräftemangel gekennzeichnet ist, die guten Bildungsgrundlagen in Sachsen auf`s Spiel, weil es sich konstruktiven Gesprächen und neuen Ideen verweigert.“

