Der Stellenwert des Sports in Sachsen wird auch in diesem Sommer wieder öffentlichkeitswirksam unter Beweis gestellt, sei es mit dem Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring, dem Deutschen Schachgipfel in Dresden, dem SachsenTrail im Erzgebirge oder der neuen Zweitliga-Saison von Dynamo Dresden vor gewohnt vollen Rängen. Solche Großereignisse besitzen eine enorme Strahlkraft, die weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Ihr touristisches Potenzial wird bisher aber nur in Ansätzen erschlossen. Ein Antrag der BSW-Fraktion im Landtag zielt deshalb darauf ab, den Sport-Event-Tourismus im Freistaat strategisch zu stärken und weiterzuentwickeln.

Dass die Initiative genau zur richtigen Zeit kommt, zeigt die Warnung von Dresdens Sportbürgermeister Jan Donhauser, der Landeshauptstadt drohe der Abstieg in die „tiefe Sportprovinz“, so gesagt jüngst in der SZ. Die Austragung von sportlichen Großveranstaltungen – Beispiel City-Biathlon und Deutschland-Tour bis hin zur Tour de France – werde in Zeiten knapper Kassen zunehmend infrage gestellt und kleingeredet, wie Dresden von solchen Events profitiere, „auch aus wirtschaftlicher und touristischer Sicht“. Donhauser verweist darauf, dass allein bei den Finals, die 2025 erstmals in Dresden gastierten, 28 Millionen Euro Einnahmen vor Ort generiert worden seien, und kündigte eine neuerliche Bewerbung an.

Aber selbst im Erfolgsfall ist es kein Selbstläufer, dass Dresden und Sachsen wirklich abrufen, welche Möglichkeiten großen Sportevents innewohnen, um Touristen von außerhalb anzulocken. Der derzeitige Masterplan Tourismus Sachsen fokussiert sich im Bereich des Sports vor allem auf touristische Angebote zur eigenen sportlichen Betätigung. Der Besuch von publikums- und medienträchtigen Sportveranstaltungen spielt als tourismuspolitischer Schwerpunkt noch eine untergeordnete Rolle. Dabei handelt es sich um einen wachsenden Wirtschaftsfaktor mit hoher regionaler Wertschöpfung und großer überregionaler Sichtbarkeit.

Welch große öffentliche Resonanz Sporthighlights entfalten können, war in jüngerer Vergangenheit unter anderem bei den Finals in Dresden und beim Turnfest in Leipzig zu beobachten und wird Jahr für Jahr vom MotoGP auf dem Sachsenring, dem Goldenen Oval in Dresden und vielen anderen Events demonstriert. Auch zahlreiche mittlere und kleinere Veranstaltungen, teils in Nischen- beziehungsweise Trendsportarten, bieten beste Voraussetzungen für den sporteventorientierten Tourismus. Weit über den konkreten Anlass hinaus lassen sich damit auch nachhaltige Image- und Identitätseffekte erzielen.

Ralf Böhme, sport- und tourismuspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag: „Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbs der Regionen, der deutschen Bewerbung um Olympische Sommerspiele und der wachsenden Bedeutung des Sport-Event-Tourismus besteht erheblicher Handlungsbedarf, diesen Bereich strategisch, ressortübergreifend und langfristig weiterzuentwickeln sowie dauerhaft in der Tourismuspolitik des Freistaates zu verankern.“

Mit dem Antrag des BSW wird die Staatsregierung aufgefordert, eine landesweite Marketing- und Imagekampagne zum Thema Sport-Event-Tourismus zu entwickeln und ihn als eigenständigen strategischen Schwerpunkt im Masterplan Tourismus zu verankern. Gezielte Investitionen, Marketingmaßnahmen und verbesserte Datengrundlagen sind notwendig, um bestehende Potenziale besser zu nutzen und Sachsen auf diesem Gebiet zukunftsfähig aufzustellen.

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