VW Zwickau: 40-Stunden-Woche als Arbeitsplatzretter? Kretschmers Rechnung geht nicht auf
Zur Forderung von Ministerpräsident Michael Kretschmer nach einer Rückkehr zur 40-Stunden-Woche bei Volkswagen erklärt Bernd Rudolph, Landtagsabgeordneter aus der Region und Vorsitzender der BSW-Fraktion im Zwickauer Stadtrat:
„Michael Kretschmer verwechselt offenbar Produktivität mit längerer Arbeitszeit. Wer statt 35 nun 40 Stunden arbeitet, ist nicht automatisch produktiver. Bei gleichem Monatslohn sinken zunächst die Arbeitskosten je Stunde.
Noch fragwürdiger wird Kretschmers Vorschlag angesichts der konkreten Situation in Zwickau: Das Werk leidet nicht unter einem Mangel an Arbeitsstunden, sondern unter fehlender Auslastung. Ab 2027 ist sogar von einem Überhang von 1.200 bis 1.700 Beschäftigten die Rede.
Wer in dieser Situation die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöht, verschärft bei gleicher Produktionsmenge rechnerisch das Problem: Für dasselbe Arbeitsvolumen werden dann 12,5 Prozent weniger Beschäftigte benötigt. Eine längere Arbeitszeit kann deshalb sogar Arbeitsplätze gefährden, statt sie zu retten.
Besonders widersprüchlich ist, dass Kretschmer Zwickau gleichzeitig als produktivstes deutsches VW-Werk bezeichnet. Wenn das stimmt, braucht Zwickau nicht längere Arbeitszeiten, sondern mehr Arbeit: neue Modelle, eine bessere Auslastung und eine verbindliche industrielle Perspektive über 2030 hinaus.
Die Beschäftigten haben ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit längst geleistet. Jetzt sind Volkswagen und die Politik am Zug. Eine 40-Stunden-Woche ersetzt weder neue Modelle noch eine vernünftige Industriepolitik.“

